© Sylvain Prunenec
Beginn: 17:00 Uhr  |  End: 17:30 Uhr
21. Mai 2019
1
Eintritt frei

Tanz : 48. Breitengrad - Choreographien auf langer Distanz - Ein Projekt von Sylvain Prunenec

21. Mai 2019
1
Eintritt frei

Sylvain Prunenec wird am Dienstag, den 21. Mai, um 17.00 Uhr, im Rahmen seines Projekts "48. Breitengrad - Choreographien auf langer Distanz", auf dem Odeonsplatz eine tänzerische Performance zeigen (Dauer ca. 30 Minuten).

Am 29. April 2019 macht sich der Tänzer Sylvain Prunenec auf zu einer fünfmonatigen Tournee über den eurasischen Kontinent, ausgehend vom Departement Finistère über den Westen Frankreichs nach Fernost zur russischen Insel Sakhaline – auf dem Landweg mit dem Bus, dem Zug, aber auch zu Fuß.

Der 48. Breitengrad, der sich über den gesamten Kontinent vom Pointe du Raz (Landspitze von Raz) mit seinen steilen Klippen und dem stürmischem Meer bis Тихая (wörtlich leise, ruhig) der „Stillen Bucht“ von Tichaja, erstreckt, dient als geografischer Wegweiser. Der Versuch, dem eurasischen Breitengrad von Anfang bis Ende streng in seinem Verlauf zu folgen, ist aufgrund mehrerer staatlicher als auch natürlicher Grenzen unmöglich. Man ist vielmehr gezwungen, ihn auf zahlreichen Windungen und Abzweigungen entlang seiner Linie zu umgehen.

Im Reiseverlauf werden vor einheimischem Publikum, den Landesbewohnern und Passanten, Tänze präsentiert, an Haltepunkten in Städten, auf Plätzen oder in öffentlichen Parks. Es sind kurze, 4-7minütige Tanzdarbietungen, begleitet vom Klang zweier Metronome. Einige wurden vor der Reise komponiert, andere entstehen während der Tournee. Sie sind das Mittel und der Ort für Begegnungen mit den Landesbewohnern. Über den Tänzer als Medium rufen sie in abstrakter Form verschiedene Zustände seiner Wanderungen in Erinnerung: von der Leichtigkeit des Freiheitsgefühls bis zur nervösen Ruhelosigkeit eines übermäßig strapazierten Körpers.

In gewissen Momenten seiner Wanderungen kommen andere Spielarten des Körpers zum Einsatz und werden durch den Tänzer erkundet: freilich ist es stets der Fußmarsch, aber auch die Auseinandersetzung mit der Landschaft selbst, die Gestalt des Bodens und die Eigenart der Natur, wie sie sich präsentiert, spielen eine Rolle: der mühsame Aufstieg auf feuchtem Boden, das mühsame Vorwärtskommen im Brombeergestrüpp oder der immerwährende Wettlauf gegen den Murgang eines Hügels …

Auf einigen Streckenabschnitten wird Sylvain Prunenec von Kameraleuten begleitet: Sophie Laly und François Roman. Mit Julie Perrin, Tanzwissenschaftlerin an der Universität Paris VIII, Spezialistin in choregraphie située (Tanz und Landschaft), entwickelt sich eine Korrespondenz. Die während der Reise gesammelten Spuren, Klänge, Fotografien, Videos und Schriften sind Ausgangsmaterial für eine künftige Performance, für den Erfahrungsbericht einer Person, die versucht, einen Platz in der Welt zu haben und dennoch in ständiger Bewegung zu bleiben, im konstanten Wechsel ihres Standorts.

Inspiriert durch verschiedene Publikationen, vor allem Eloge des voyages intensés von Vassili Golovanof und Dans le forêts de Sibérie von Sylvain Teson, wird dieses Projekt zum Abenteuer. Der 48. Breitengrad ist der Reiz des Unbekannten und die Suche nach Freiheit. Es ist ein Bekenntnis an die Neugier, die Beharrlichkeit und Entschlossenheit.

 

Wegstrecke

Saint-Guénolé - Quimper - Lorient - Brains-sur-Gée (point de rencontre avec le méridien de Greenwich) - Colmar - Freiburg im Breisgau - Villingen- Schwenningen - Munich - Vienne - Bratislava - Banská Bystrica - Lviv - Kiev - Dnipro - Odessa - Patoumi - Tbilissi - Bakou - Astrakhan - Volgograd - Saratov - Samara - Oufa - Tcheliabinsk - Iekaterinbourg - Omsk - Novossibirsk - Irkoutsk - Oulan Bator - Oulan Oude - Tchita - Khabarovsk - Khomsomolsk-sur-l’Amour - Vanino - Kholmsk - Ioujno Sakhalinsk – Vladivostok.

 

Biographie

Sylvain Prunenec ist Tänzer und Choreograph sowie Gründer des Vereins 48 (Association du 48), den er zusammen mit Dominique Brun leitet. Er war Dolmetscher für Odile Duboc, Dominique Bagouet, Trisha Brown, Boris Charmatz, Christian Rizzo, Deborah Hay, Olivia Grandville, Fanny de Chaillé, Julie Nioche und Dominique Brun.

Seit 1995 produziert Sylvain Prunenec im Verein 48 seine eigenen Stücke. Diese Kreationen führten ihn mit verschiedenen Künstlern zusammen: dem Dichter Anne-James Chaton, dem Schriftsteller Mathieu Riboulet, den Bildhauern Clédat & Petitpierre, dem Sänger und Improvisator Phil Minton, dem Regisseur Éric Didry und dem Komponisten Sébastien Roux…

Zu seinen Tanzkreationen zählen u.a. Gare!, ein Solo über das Themenfeld der Liebe, der kriminellen Energie und der sexuellen Ekstase, 2011 ; Le cas Gage ou les aventures de Phineas en Amérique, 2012; Vos jours et vos heures, inspiriert durch den Roman Les vagues von Virginia Woolf, 2015 und Zugunruhe, état d’agittion avant la migration, 2017.

 

Methodik und Instrumentarium

Zumeist finden die Aufführungen im öffentlichen Raum ohne vorherige Kommunikation statt, zeitweise auch ohne Bühne im Rahmen und entsprechend eines Eventprogramms, beispielsweise der Eingangshalle einer Mediathek, an einem Ausstellungsort, in einem Park…).

Für die Tanzperformance wird ein Raum von ca. 5 Metern Seitenlänge auf planem Untergrund (Beton, Pflaster, Holz, Bühnenboden, Sand…, kein Rasen, Kies oder Parkett) benötigt.

Zwei Metronome, nicht zwangsläufig mit Verstärker, begleiten den Tänzer. Die Zuschauer stehen oder sitzen während der 30minütigen Performance im Halbkreis vor dem improvisierten Raum.

 

Das könnte Sie auch interessieren

Freitag 01 Feb 2019 - 09:00 bis Mittwoch 25 Sep 2019 - 22:00
Samstag 16 Feb 2019 - 15:30 bis Donnerstag 31 Okt 2019 - 23:30
Freitag 09 Aug 2019 - 20:00 bis Samstag 31 Aug 2019 - 20:00